Anruflinientaxi: TaxiBusPlus im Kreis Euskirchen

Was ist der TaxiBusPlus im Kreis Euskirchen?

Vor Einführung des TaxiBus-Systems war der Busverkehr im Kreis Euskirchen überwiegend auf den Schülerverkehr ausgerichtet, was räumliche und zeitliche Erschließungsdefizite verursacht hat. Im Jahr 2002 wurde dann im Kreis Euskirchen der TaxiBus eingeführt, wobei alle Busfahrten mit einer Besetzung von weniger als fünf Fahrgästen auf das TaxiBus-System umgestellt wurden. Die dadurch erzielten Einsparungen wurden genutzt, um das Angebot auszuweiten. So wurde das Fahrtenangebot in fast allen Orten auf einen Stundentakt verdichtet und der Bedienungszeitraum erweitert. Übergeordnetes Ziel war die Einführung eines Grundangebotes in der Fläche. Neben dem TaxiBus-Angebot hatten einige Kommunen des Kreises zusätzlich ein Anrufsammeltaxi (AST) eingerichtet. Die beiden Systeme haben in den Jahren auf Grund ihrer unterschiedlichen Funktionsweisen vermehrt zu Unsicherheiten bei der Nutzung geführt. Befragungen hatten gezeigt, dass das Nebeneinander verschiedener Taxiverkehre für potentielle Nutzende verwirrend war. Daher wurden im Jahr 2014 testweise in einigen Kommunen die Systeme TaxiBus und AST zusammengeführt zum neuen System TaxiBusPlus. Mittlerweile haben alle Kommunen im Kreis Euskirchen (bis auf die Stadt Euskirchen) das einheitliche Angebot TaxiBusPlus.

Der Kreis Euskirchen gehört siedlungsstrukturell zu den verdichteten Kreisen. Auf einer Fläche von 1.249 km² leben 193.656 Menschen (Stand: 31.12.2019), woraus sich eine Bevölkerungsdichte von 155 Einwohnerinnen und EInwohner/km² ergibt. Die Bevölkerungsdichte ist innerhalb des Kreises allerdings unterschiedlich ausgeprägt und reicht von 44 Einwohnerinnen und EInwohnern/km² in der Gemeinde Dahlem bis hin zu über 400 Einwohnerinnen und EInwohnern/km² in der Stadt Euskirchen. Insbesondere im Süden des Kreises ist die Bevölkerungsdichte vergleichsweise gering. Seit der Einführung des TaxiBus 2002 und dem begleitenden Ausbau des Angebots besteht heute nahezu flächendeckend ein Grundangebot – Stundentakt und Bedienungszeitraum, der sich über den Tag erstreckt – im Kreis Euskirchen.

Das TaxiBusPlus-Angebot ist auch für mobilitätseingeschränkte Menschen interessant. Beim Einstieg kann Hilfe geleistet werden, der Sitzplatz ist gesichert, Einkäufe und Hilfsmittel (z. B. Rollator) können verstaut werden und der Ausstieg kann im Umkreis der Zielhaltestelle beispielsweise an der Haustür stattfinden. Der TaxiBusPlus ist grundsätzlich nicht für Rollstuhlfahrende geeignet, die ihren Rollstuhl nicht eigenständig verlassen können. Jedoch läuft seit dem 01.01.2018 ein Pilotprojekt zu einem „RolliTaxi“ auf der Linie 887 zwischen Mechernich (Kreiskrankenhaus) und Bad Münstereifel.

Wie funktioniert der TaxiBusPlus im Kreis Euskirchen?

Im Wesentlichen handelt es sich beim TaxiBusPlus um einen Bedarfsverkehr, da er auf Bestellung auf einem festen Linienweg von Haltestelle zu Haltestelle verkehrt. Allerdings ist beim TaxiBusPlus Euskirchen im Bereich der Zielhaltestellen ein Ausstieg an einer anderen Stelle (Haustür, Geschäft, Praxis etc.) möglich, womit der TaxiBusPlus Ähnlichkeiten mit dem AST aufweist. Das liegt daran, dass wie oben beschrieben der TaxiBusPlus 2014 aus der Fusion des TaxiBus und des AST hervorgegangen ist. Der TaxiBusPlus kommt dort zum Einsatz, wo eine geringe, aber stetige Nachfrage vorhanden ist, ein reguläres Busangebot aber nicht wirtschaftlich wäre. Daher erschließt der TaxiBusPlus auch die kleineren Ortschaften und knüpft diese an den überregionalen Bus- und Bahnverkehr sowie die Grundzentren an.

Beim TaxiBusPlus muss der Fahrtwunsch spätestens 30 Minuten vor der Abfahrtszeit angemeldet werden. Spätere Bestellungen können nicht entgegengenommen werden. Je nach Nachfrage kommen Taxen, Kleinbusse oder Standardbusse zum Einsatz. Ab einer Gruppenstärke von fünf Personen muss der Fahrtwunsch mindestens drei Tage vor Fahrtantritt angemeldet werden. Hin- und Rückfahrten können gleichzeitig gebucht werden, auch eine Dauerbestellung kann aufgegeben werden. Eine Onlinebuchung ist ebenfalls über die App der Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) möglich. Die TaxiBusPlus-Linien sind im Fahrplan mit einem Telefonhörersymbol markiert. Für den TaxiBusPlus wird ein Zuschlag in Höhe von 1,20 Euro für Erwachsene und 0,50 Euro für Kinder von sechs bis 14 Jahren erhoben. Kinder unter sechs Jahren sowie Schwerbehinderte, die im Besitz einer gültigen Wertmarke sind, zahlen den Zuschlag nicht. Der TaxiBusPlus kann über die Dispositionszentrale von Montag bis Samstag zwischen 06:20 Uhr und 21:30 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen zwischen 09:30 Uhr und 19:00 Uhr telefonisch bestellt werden. 2018 wurde der Bedienungsstandard im Kreis Euskirchen komplett ausgeweitet, so dass mittlerweile der TaxiBusPlus von montags bis samstags von 06:00 Uhr bis 21:00 Uhr und sonn- und feiertags von 09:00 Uhr bis 21:00 Uhr angeboten wird. Manche Kommunen halten darüber hinaus ein Angebot vor.

Wie erfolgte die konkrete Umsetzung?

Da der TaxiBusPlus keine besonderen Anforderungen an eine Haltestelle stellt, konnten zusätzliche Haltestellen an wichtigen Stellen wie Arztpraxen, Behörden und Versorgungseinrichtungen durch H-Schilder eingerichtet werden.

Die TaxiBusPlus-Linien werden durch den Kreis Euskirchen und die RVK betrieben. Der Kreis Euskirchen ist als Mitinhaber und Betriebsführer von Konzessionen im TaxiBusPlus-Verkehr als Verkehrsunternehmen tätig. Die Fahrten werden von ortsansässigen Taxiunternehmen als Subunternehmen (Viersitzer oder Großraumtaxen für bis zu acht Fahrgäste) durchgeführt. Bei Gruppenfahrten werden, soweit möglich, Linienbusse eingesetzt.

Die Finanzierung erfolgt über die Fahrgeldeinnahmen sowie Zuschüsse und liegt im Verantwortungsbereich des Aufgabenträgers, dem Kreis Euskirchen. 2018 wurden fünf Mio. Fahrplankilometer auf 33 Linien angeboten. Tatsächlich abgerufen wurden aber nur 1.005.300 Kilometer, also 20 Prozent des Angebots. Hätte man dieses Angebot mit einem regulären Bus bedient, wären 4 Mio. Kilometer mehr zu finanzieren gewesen. 2018 hat der Kreis Euskirchen 1,66 Mio. Euro für den TaxiBusPlus-Verkehr aufgewendet. Insgesamt wurden bislang 172.850 Fahrgäste befördert.

Das Angebot wurde bei der Einführung umfassend beworben, beispielsweise in den Fahrplanmedien des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS), in Broschüren, Zeitungen, Plakaten oder durch Erfahrungsberichte und das Internet. In einer repräsentativen Haushaltsbefragung im Jahr 2012 gaben zwei Drittel der Befragten an, das Angebot der flexiblen Bedienformen zu kennen. Diejenigen, die Erfahrung mit den flexiblen Angeboten gemacht haben, bewerten es überaus gut. Verbesserungsvorschläge beziehen sich vor allem auf eine größere Flexibilität bei den Taktzeiten und eine Erweiterung des Fahrtenangebots am Abend und an Wochenenden. Zudem soll verstärkt über das Angebot informiert werden. In 2018 wurde das System daher mittels einer Kampagne (Flyer, TFT-Anzeigen und Plakate) nochmal speziell für die ältere Generation thematisiert.

Die Unternehmerstruktur vor Ort muss leistungsfähig sein. Als Herausforderung wird außerdem gesehen, den Bekanntheitsgrad des TaxiBusPlus zu steigern, v. a. wenn der ÖPNV auch der TaxiBusPlus ist und nicht nur der normale Bus.

Jahr 2001:

Beschluss der flächendeckenden Einführung des TaxiBus-Verkehrs im Kreis Euskirchen

Jahr 2001:

Einführung von 21 TaxiBus-Linien

Dezember 2014:

Weitestgehende Zusammenführung von TaxiBus und Anrufsammeltaxi zum TaxiBusPlus

Dezember 2018:

Vollständige Zusammenführung von TaxiBus und Anrufsammeltaxi zum TaxiBusPlus und Ausweitung auf neuen Bedienungsstandard

Deutsche Bundesstiftung Umwelt, 2011: Umwelt- und familienfreundliche Mobilität im ländlichen Raum. Osnabrück.