Digitaler, flexibler omobi Ortsbus Murnau

Ausgezeichnet im Rahmen des Wettbewerbes "Gemeinsam erfolgreich. Mobil in ländlichen Räumen“ (2021) des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Was ist der omobi Ortsbus Murnau?

In der oberbayerischen Gemeinde Murnau wird ein digitaler On-Demand Ortsbus eingesetzt, der bedarfsorientiert per App oder telefonisch bestellt werden kann.

Welche Ziele werden mit dem omobi Ortsbus Murnau verfolgt?

Ausgehend von verschiedenen Leuchtturmprojekten soll mit Hilfe von omobi die Mobilität auf dem Land revolutioniert werden. Es soll mit einem bedarfsorientierten, digitalen On-Demand ÖPNV möglich sein, unabhängig von Alter und Wohnort, komfortabel, schnell, barrierefrei und nachhaltig von A nach B zu kommen.

Wie erfolgte die konkrete Umsetzung?

Der Markt Murnau hatte bereits nach fehlgeschlagenen Ortsbus-Varianten immer wieder nach einem passenden ÖPNV-Angebot gesucht, das weiter entfernte Ortsteile flexibel verbindet, den MIV reduziert und auch dem weiter steigenden Anteil an Seniorinnen und Senioren wieder die Teilhabe am sozialen, politischen und gesellschaftlichen Leben ermöglicht.

Der Gemeinderat entschied sich letztendlich dafür, neue Wege zu gehen und auf ein bedarfsorientiertes ÖPNV-Angebot zu setzen. Im Oktober 2019 wurde eine europaweite Ausschreibung dazu gestartet. omobi hat sich auf diese Ausschreibung beworben und im Februar 2020 den Zuschlag erhalten. Im Anschluss wurde gemeinsam mit dem Markt Murnau und durch Befragung verschiedener Interessensgruppen die passenden Parameter wie Betriebszeiten, Strecken, Anzahl der Busse etc. sowie das nötige Personal akquiriert. Daraufhin wurde alles Weitere für den Start des neuen Ortsbus im Sommer 2020 vorbereitet.

Der digitale Ortsbus wird ergänzend zum Linienverkehr eingesetzt. Das innovative Pilotprojekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt und läuft bis Sommer 2022. Bereits nach dem ersten Jahr wurden im Juli 2021 die beiden umliegenden Gemeinden Seehausen und Riegsee an den Ortsbus angeschlossen.

Die größte Herausforderung war es, mutige Politikerinnen und Politiker sowie handelnde Personen in den Ämtern zu finden, um ein solches Digital-Projekt initiieren zu können. Dafür ist Überzeugungsarbeit nötig und es bedarf auf der Unternehmensseite, wie auch auf der kommunalen Seite eine Vision, wie nachhaltige und digitale Mobilität neu gedacht werden kann. Zusammenarbeit und langfristiges Denken sind dabei zentrale Aspekte. Zu kurz gedachte Projekte erbringen häufig nicht die gewünschte Wirkung Nach der Initialzündung stellten komplexe Genehmigungsverfahren eine große Herausforderung dar. Der hohe Innovationsgrad des On-Demand-Bus-Projektes sowie das Fehlen von Referenzprojekten oder gar übertragbaren Blaupausen machten es den Behörden schwer, eine Lösung zu finden. Besonders da dieses Projekt weit vor der Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes zu Stande kam.

Im Live-Betrieb war die größte Herausforderung den Menschen aufzuzeigen, wie neue Mobilitätsformen in ihren Alltag passen. Nicht, weil der Buchungsprozess sehr kompliziert ist, sondern, weil die Menschen in ländlichen Regionen häufig nicht davon ausgehen, dass der ÖPNV tatsächlich eine Alternative zu ihrem Auto darstellen kann. Vor diesem Hintergrund war die Vermarktung für die schnelle Akzeptanz von großer Bedeutung.

Eine weitere Herausforderung, insbesondere in ländlichen Räumen, ist das richtige Fahrpersonal zu finden. Fachkräfte außerhalb der großstädtischen Ballungsräume sind schwer zu finden und  die Anforderungen an einen Fahrer bzw. eine Fahrerin eines digitalen On-Demand Dienstes sind andere, als bei klassischen Fahrten von A nach B.

Juli 2020:

Start Ortsbus Murnau

März 2021:

10.000ter Fahrgast

Juli 2021:

Erweiterung Seehausen/Riegsee

Marktgemeinde Murnau, 2021.