E-Roller-Sharing: Meli-Sharing

Was ist Meli-Sharing?

In den beiden Kleinstädten Meppen und Lingen werden seit Mai 2018 E-Roller verliehen. Das Startup Share2Move stellt derzeit 81 Elektroroller zum Verleih in dieser ländlichen Region zur Verfügung (Stand: April 2020). Der Elektrorollerverleih funktioniert nach dem Free-Floating-Prinzip. Das heißt, dass es keine festen Verleihstationen gibt. Die Roller können im Bedienungsgebiet frei abgestellt und gebucht werden. Die Buchung der Roller erfolgt dabei über eine Smartphone-App. Dafür ist zunächst eine Registrierung auf der Website von Share2Move nötig, die einmalig 19,95 Euro kostet. Mittels der App kann der Nutzende den nächstgelegenen Elektroroller finden und reservieren. Die Transportbox des Rollers lässt sich ebenfalls mit Hilfe der App öffnen, in der sich u. a. der Zündschlüssel und ein Helm befindet. 

Die Gebühr für die Nutzung des Elektrorollers wird ebenfalls über die App bezahlt. Hierbei kommt ein Minuten-Tarif zum Einsatz, der aus einem Miet-Tarif und einem Park-Tarif besteht. Beim Miet-Tarif handelt es sich um die reine Fahrzeit, die 0,23 Euro pro Minute (13,80 Euro pro Stunde) kostet. Bei einer Fahrtunterbrechung schaltet der Nutzende mit Hilfe der App um auf den Park-Tarif und zahlt dann nur 0,11 Euro pro Minute (6,60 Euro pro Stunde). Der maximale Tagestarif für den E-Roller beträgt 34,99 Euro.

Welche Ziele werden mit Meli-Sharing verfolgt?

Der Elektrorollerverleih hat Potenzial, das lückenhafte ÖPNV-Angebot in der Region zu ergänzen. Der Elektroroller ist eine Möglichkeit, um die sogenannte „letzte Meile“ komfortabel zurückzulegen. Zudem können Wege, die nicht durch den ÖPNV erschlossen sind, mit dem E-Roller zurückgelegt werden. Somit fördert der Elektrorollerverleih in Kombination mit Bus und Bahn die Multimodalität in der Region.

Ein weiteres Ziel ist es, durch die vermehrte Nutzung eines umweltschonenden Verkehrsmittels die Schadstoffemission in der Region zu reduzieren. Nach eigenen Angaben des Betreibenden gibt es 550 registrierte und aktive
Fahrerinnen und Fahrer, die mehr als 91.000 Kilometer mit den Rollern zurückgelegt haben. Dadurch wurden, gegenüber einem nicht mit Elektroantrieb durchgeführten Betrieb, rund 6,6 Tonnen Kohlenstoffdioxidemissionen eingespart (Stand: November 2021).

Wie erfolgte die konkrete Umsetzung?

Das Startup Share2Move wird durch zahlreiche lokale Unternehmen und Partner unterstützt. So kaufte beispielsweise die örtliche Kreissparkasse Fahrzeit-Kontingente bei Share2Move, die von Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeitenden genutzt werden können. Außerdem unterstützen der Landkreis Emsland sowie die Städte Meppen und Lingen das Angebot. Der im Geschäftsgebiet beheimatete Elektroroller-Hersteller „Emco“ stattet Share2Move mit den benötigten E-Rollern aus. Emco beliefert auch andere Sharing-Anbieter in Europa mit Elektrorollern, wie beispielsweise in Berlin, Stuttgart oder Barcelona. Für Share2Move hat Emco einen speziell für ländliche Räume modifizierten Elektroroller entwickelt. Aufgrund der im Vergleich zu Großstädten geringeren Netzabdeckung und Internetgeschwindigkeit musste die Cloudbox am E-Roller, die die fortlaufende Kommunikation des Rollers mit dem Internet ermöglicht, modifiziert werden. Außerdem musste die Smartphone-App für den Betrieb in ländlichen Räumen optimiert werden.

Die Anlaufkosten des Startups beliefen sich auf ca. 475.000 Euro. Mit 100.000 Euro wurde der E-Rollerverleih durch ein Wirtschaftsförderungsprogramm des Landkreise Emsland finanziell unterstützt. Der restliche Betrag wurde vom Gründer des Startups investiert.

Der Aufbau eines E-Roller-Sharing-Angebotes ist mit hohen Investitionskosten verbunden. Zusätzlich besteht, insbesondere in ländlichen Räumen, eine Unsicherheit hinsichtlich der Akzeptanz durch die Bevölkerung. Im Gegensatz zu städtischen Gebieten sind die potenziellen Kundinnen und Kunden mit einem nachhaltigen Sharing-Angebot weniger vertraut. Außerdem besteht in diesen Gebieten aufgrund der hohen privaten Pkw-Verfügbarkeit in der Regel eine geringere und zerstreutere Nachfrage als in der Stadt. Des Weiteren bietet der E-Roller keinen Witterungsschutz und ist somit insbesondere bei Niederschlag nur bedingt ein adäquater Ersatz zum ÖPNV oder zum eigenen Pkw.

Schaudwet, Christian, 17.05.2018: E-Roller-Sharing: Experiment in der Provinz. Zugriff: https://www.bizz-energy.com/* [abgerufen am 30.04.2020].
Share2Move: Meli Sharing. Zugriff: https://www.meli-sharing.de/* [abgerufen am 08.11.2021].  
Stüber, Jürgen, 18.05.2018: Share2Move startet erstes E-Scooter-Sharing im ländlichen Raum. Zugriff: https://www.ngin-mobility.com/* [abgerufen am 29.04.2020].
*Hinweis: Die Seite ist nicht mehr abrufbar (24.05.2022).