Ehrenamtlicher Seniorenfahrdienst und Bürger- und Seniorenbus auf Basis Rufbus in Markt Altmannstein

Personen vor einem Kleinbus
Quelle: Würde im Alter e.V.

Ausgezeichnet im Rahmen des Wettbewerbes "Gemeinsam erfolgreich. Mobil in ländlichen Räumen“ (2021) des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Was ist der Ehrenamtliche Seniorenfahrdienst?

Das Grundkonzept heißt: Bürgerinnen und Bürger fahren Bürgerinnen und Bürger. Rentnerinnen und Renter fahren mit Ihrem eigenen PKW mobilitätseingeschränkte Personen vor Ort zu ihrem Ziel. Die Koordination erfolgt zentral über einen vom Markt Altmannstein auf Basis eines angestellten Koordinators. Die Fahrten werden bei dem Koordinator angemeldet. Der Koordinator vermittelt einen Fahrer oder eine Fahrerin und nimmt im Anschluss die gefahrenen Kilometer und die Fahrdauer in seine Dokumentation auf. Mit ca. 80 Prozent bilden die Fahrten zum Haus- und Facharzt den Schwerpunkt.

Die Fahrten werden von Privatpersonen in ihren privaten PKW durchgeführt.

Folgende Leistungen werden angeboten:

  • Einkaufsservice (z. B. Apotheke)
  • Bring- und Abholdienste (Arztbesuch, Einkauf, Dienstleistungen etc.)
  • Fahr- und Begleitdienste

Was ist der Bürger- und Seniorenbus auf Basis Rufbus?

Rentnerinnen und Rentner mit Personenbeförderungsschein fahren den 9-sitzigen Bus an zwei Tagen in der Woche dreiMal (bis Oktober 2021), ab November 2021 fünf Mal pro Tag nach dem mit dem ÖPNV und der Regierung von Oberbayern (Sachgebiet 23.2 Personenbeförderung, Schienenverkehr) abgestimmten Fahrplan. Mit der Umstellung auf das Rufbus-Prinzip müssen die Fahrten beim Koordinator angemeldet werden. Der Bus fährt dann weiterhin nach Fahrplan, aber nur noch die Haltestellen an, für die Fahrgäste angemeldet sind. Die Anbindung der Ortsteile an den Kernort (Hausarzt, Einkaufen etc.), aber auch an weiterführende Buslinien wird durch den Bürger- und Seniorenbus realisiert. Ab November 2021 wird das Rufbus-Konzept eingesetzt.

Welche Ziele werden mit dem Ehrenamtlichen Seniorenfahrdienst und dem Bürger- und Seniorenbus auf Basis Rufbus verfolgt?

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger vor Ort (z. B. Personen ohne eigenes Fahrzeug, Geflüchtete etc.) sind aufgrund fehlender ÖPNV-Anbindung der Ortsteile an den Hauptort, gezwungen, diese Strecken bei jedem Wetter zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück zu legen, oder sind darauf angewiesen, dass sie von Verwandten, Bekannten oder Nachbarinnen bzw. Nachbarn gefahren werden. Überregionale Fahrten z. B. zum Arzt oder zur Ärztin, ins Krankenhaus, zu Therapeutinnen oder Therapeuten etc. sind mit dem ÖPNV nicht möglich oder zumutbar.

Mit dem ehrenamtlichen Seniorenfahrdienst bzw. dem Bürger- und Seniorenbus können die Betroffenen ihre Mobilität selbstbestimmt gestalten.

Wie erfolgte die konkrete Umsetzung?

Die Treiberfunktion wurde von dem Verein Würde im Alter e.V. übernommen. Als Kooperationspartner konnte die Marktgemeinde Altmannstein gefunden werden. Wichtig war die Abstimmung mit allen tangierenden Bereichen (Regionalmanagement Altmühl Jura, Landratsamt Eichstätt ÖPNV, Busunternehmen und der Regierung von Oberbayern). Dadurch, dass von Seiten der Gemeinde die Finanzierung abgesichert wurde, von dem Marktrat das Konzept mitgetragen wird und Zuschüsse von der Regierung von Oberbayern für die Anschaffung des Busses erfolgt sind, war die Umsetzung relativ zügig möglich.

Den Schlüssel für den Erfolg bilden die ehrenamtlich Tätigen (Fahrerinnen und Fahrer mit privatem PKW, Busfahrerinnen und Busfahrer sowie Koordinatoren). Über die Haushaltbefragung 2017 konnten zahlreiche Rentnerinnen und Rentner zum Mitmachen bewegt werden.

Der Schwerpunkt liegt darauf, genügend Bürgerinnen und Bürger zu finden, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Die finanzielle Absicherung z. B. durch die Gemeinde bildet ebenfalls eine Hürde, da der Betrieb insbesondere bei einer ländlich geprägten Flächengemeinde nicht kostendeckend sein kann.

Die Abstimmung mit den tangierenden Bereichen und der damit verbundenen Bürokratie bildet ebenfalls eine Herausforderung.

September 2017:

Konzeptidee Vorstand Verein Würde im Alter

Februar 2018:

Erstes Abstimmgespräch mit den Keyplayern zum Thema Bürger- und Seniorenbus

Juni 2018:

Haushaltsbefragung zur Bedarfsermittlung

August 2018:

Ergebnispräsentation Altmühl Jura Mobilitätskonzept

Oktober 2018:

Treffen mit den potentiellen Fahrern

Dezember 2018:

Bestätigung des ehrenamtlichen Seniorenfahrdienstes durch den Marktrat

Januar 2019:

Der ehrenamtliche Seniorenfahrdienst geht an den Start

Juli 2019:

Freigabe zur weiteren Ausplanung des Bürger- und Seniorenbusses inkl. Beschaffung

Oktober 2019:

Freigabe zur Beschaffung des Busses

Februar 2020:

Aufnahme des regelmäßigen Fahrbetriebes Bürger- und Seniorenbus

Altmühl Jura, o. J.: Altmühl Jura Mobilitätskonzept. ÖPNV Angebot in der Ferienzeit.
Bayerische Landesamt für Statistik, o. J.: Demographische Entwicklung Markt Altmannstein.
Würde im Alter e.V., 2021.