Direkt zum Inhalt

Modellregion für bürgerschaftlich organisiertes Carsharing im Landkreis Ebersberg

Was ist das bürgerschaftlich organisierte Carsharing-Angebot in kleineren Kommunen im Landkreis Ebersberg?

Der Landkreis Ebersberg liegt in Oberbayern, östlich von München, und ist sowohl metropolnah als auch ländlich geprägt. Auf einer Fläche von knapp 550 km² leben 144.389 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand: 2025).

Im Landkreis besteht ein Verbund aus elf eigenständigen, überwiegend vereinsgetragenen Carsharing-Initiativen in elf der 21 Städte, Märkte und Gemeinden. Die Angebote sind dezentral organisiert, auf die örtlichen Verhältnisse zugeschnitten und stellen stationsbasierte Fahrzeuge wohnortnah zur Verfügung. Sie ergänzen insbesondere in kleineren und ländlich geprägten Kommunen den öffentlichen Verkehr und den privaten Pkw.

Nach der letzten zusammengeführten Erhebung betrieben die Initiativen 64 Fahrzeuge für rund 1.200 Mitglieder mit mehr als 2.400 Fahrberechtigten (Stand: 2023). 

Welche Ziele werden mit dem bürgerschaftlich organisierten Carsharing-Angebot im Landkreis Ebersberg verfolgt?

Der Landkreis unterstützt die Vernetzung der Initiativen und das Ziel, bis 2030 ein möglichst flächendeckendes, attraktives und wirtschaftlich tragfähiges Carsharing-Angebot aufzubauen. Angestrebt werden Angebote in jedem Ort beziehungsweise Gemeindeteil mit mehr als 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, mindestens zwei Fahrzeuge in weniger als 1.000 Metern Entfernung, ein Zugang für 95 Prozent der Bevölkerung mit Führerschein und eine Nutzung durch 10 Prozent der örtlichen Bevölkerung.

Kennzeichnend sind die dezentrale Verantwortung, die überwiegend ehrenamtliche Organisation, die enge Einbindung der Kommunen sowie die Zusammenarbeit innerhalb der Modellregion. Bestehende Vereine unterstützen neue Initiativen mit organisatorischem und technischem Wissen. Soweit vereinbart, können Mitglieder auch Fahrzeuge anderer Carsharing-Gruppen oder kooperierender Anbieter nutzen.

Wie erfolgte die konkrete Umsetzung?

  1. Kontaktaufnahme mit der Kommune und örtlichen Initiatorinnen und Initiatoren
  2. Öffentlichkeitsarbeit und Informationsveranstaltung
  3. Bildung einer ausreichend großen und dauerhaft tragfähigen Initiativgruppe
  4. Klärung von Rechtsform, Verantwortlichkeiten und Finanzierung
  5. Auswahl von Fahrzeugen, Stellplätzen, Versicherung sowie Buchungs- und Zugangssystem
  6. Unterstützung durch einen erfahrenen Carsharing-Verein
  7. Mitgliederwerbung und Betriebsaufnahme
  8. Laufende Auswertung von Nutzung und Wirtschaftlichkeit

Die Entwicklung wird anhand der Zahl der Initiativen, Fahrzeuge, Standorte, Mitglieder und Fahrberechtigten beobachtet. Seit der Ausgangserhebung 2013 stieg die Zahl der Initiativen von sieben auf elf; die Zahl der Fahrzeuge erhöhte sich nach den zuletzt zusammengeführten Angaben von 40 auf 64. Die elf Initiativen schaffen zusätzliche Mobilitätsmöglichkeiten und zeigen, dass ein vereinsgetragenes Carsharing-Angebot auch außerhalb großer Städte dauerhaft betrieben werden kann.

Im Jahr 2026 wurde im Rahmen der strategischen Allianz Mobile Zukunft München und Region (MZM) eine Potenzialanalyse zum Carsharing im Großraum München durchgeführt. Die Ergebnisse können eine zusätzliche fachliche Grundlage für die weitere Entwicklung des Angebots im Landkreis Ebersberg und die regionale Vernetzung bilden. Der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß ist Sprecher der MZM-Allianz und zugleich Sprecher der MVV-Verbundlandkreise. Dadurch können die Erfahrungen der Modellregion in die regionale Zusammenarbeit eingebracht werden.

Die Motivation der Beteiligten für eine gute, sinnvolle Sache steht an vorderster Stelle. Wichtig ist auch, die Tätigkeiten und Zuständigkeiten auf möglichst viele Personen im Verein zu verteilen, um die vielfältigen Anforderungen und Arbeiten zu bewerkstelligen sowie, einen bestehenden Carsharing-Verein möglichst in der Nähe zu suchen, der bereit ist, seine Kenntnisse und Erfahrungen weiterzugeben.

Zu den wesentlichen Herausforderungen zählen die Gewinnung dauerhaft engagierter Ehrenamtlicher, die Verteilung der Aufgaben auf mehrere Personen, die Sicherung geeigneter Stellplätze und eine ausreichende Fahrzeugauslastung. Für den langfristigen Erfolg sind das Vertrauen der Bevölkerung, die sichtbare Unterstützung durch die Kommune und eine wesentliche organisatorische Struktur entscheidend.

In Kommunen mit bestehenden oder früheren kommerziellen Angeboten ist frühzeitig zu prüfen, ob Kooperationen, Ergänzung oder Abgrenzung sinnvoll ist. Die Begleitung durch einen erfahrenden Verein erleichtert den Aufbau, hilft Bedenken auszuräumen und vermittelt erprobte organisatorische und technische Lösungen.

Corporate Carsharing
Quelle: Mobilikon 2021
Icon Maßnahme

Das Corporate Carsharing ist eine Kombination aus betrieblichem Flottenmanagement und stationsbasiertem Carsharing. Die Fahrzeuge werden tagsüber als Dienstwagen und danach zum Carsharing genutzt.

Free-Floating-Carsharing
Quelle: d3sign / Getty Images
Icon Maßnahme

Free-Floating-Carsharing bezeichnet die organisierte gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen mit freier Stellplatzwahl innerhalb eines fest definierten Nutzungsgebiets.

Privates Carsharing
Quelle: Mobilikon 2021
Icon Maßnahme

Beim privaten Carsharing vermietet eine Privatperson über eine Vermittlungsbörse ihr Auto an andere private Nutzerinnen und Nutzer.

Stationsbasiertes Carsharing
Quelle: Bildkraftwerk / Laurin Schmid
Icon Maßnahme

Stationsbasierte Carsharing-Angebote bieten eine flexible Erweiterung der Mobilitätsmöglichkeiten in ländlichen Räumen. Verschiedene Fahrzeugtypen können an festen Stationen ausgeliehen werden.

BARshare – kommunales E-Carsharing-Angebot im Landkreis Barnim
Dorfauto: Dorfmobil Barsikow
Quelle: Dorfmobil Barsikow
Icon Praxisbeispiele

Unterstützt vom Landkreis Ostprignitz-Ruppin bietet der Dorfverein in Barsikow ein elektrisch betriebenes Dorfmobil an, welches der kleinen Dorfgemeinschaft als Carsharing-Fahrzeug zur Verfügung steht.

Dorfauto: Dörpsmobil Klixbüll
Quelle: Gemeinde Klixbüll
Icon Praxisbeispiele

In der Gemeinde Klixbüll ergänzt ein Elektrofahrzeug das Mobilitätsangebot und kann stunden- oder tageweise gemietet werden.

Linien-E-Carsharing in Borgholzhausen
Quelle: Karin Warias
Icon Praxisbeispiele

Mit dem Linien-E-Carsharing in Borgholzhausen wird der öffentliche Personennahverkehr durch ein Angebot von Elektrofahrzeugen zum Zurücklegen der letzten Meile ergänzt.

mobine – ein Dorf-Auto für Jedermann
Quelle: Landkreis Cuxhaven
Icon Praxisbeispiele

Die mobine ist ein durch einen Verein gestütztes, effizientes und innovatives Carsharing-Modell mit ehrenamtlichem Fahrdienst, das als Ergänzung zum vorhandenen ÖPNV die Mobilität in Neuenwalde verbessert.

NeueMobilitätPAF – Pulsierendes Carsharing in und um Pfaffenhofen a. d. Ilm
Pulsierendes Carsharing in und um Homberg (Efze)
Quelle: Von Lengerken, Heimatnachrichten
Icon Praxisbeispiele

Tägliches Pendeln der Carsharing-Pkw aus dem Umland morgens in die Kreisstadt und abends zurück gibt dem Konzept seinen Namen: Pulsierendes Carsharing. Schaffung einer Synergie dienstlicher und privater Mobilität.

Stationsbasiertes E-Carsharing: Modellregion E-WALD
Fahrdienst Königsbrunn
Quelle: MGH Königsbrunn
Icon Praxisbeispiele

Im Rahmen des Fahrdienst Königsbrunn werden ältere sowie mobilitätseingeschränkte Personen ehrenamtlich befördert.

Multimodale Mobilitätsdienstleistungen: Dorfbeweger – Integrierte Mobilität in der Dorfgemeinschaft Effolderbach
E-Carsharing-Angebot "Küstenstromer"
Quelle: Nordseebad Spiekeroog GmbH
Icon Praxisbeispiele

„Küstenstromer“ ist ein auf Elektrofahrzeuge basierendes Carsharing-Angebot, vorwiegend für Einheimische und Gäste der autofreien Insel Spiekeroog. Das Angebot verbessert für diese die Mobilität auf dem Festland.

Carsharing Gesetz (CsgG)
Quelle: RUNSTUDIO / Getty Images
Icon Instrumente

Das Carsharinggesetz bildet den rechtlichen Rahmen für Maßnahmen zur Bevorrechtigung des Carsharings, insbesondere durch die Ausweisung von Stellplätzen und ermäßigte Parkgebühren.

Leitfaden zur Gründung neuer Carsharing-Angebote

Ein Leitfaden für elektromobiles Carsharing im ländlichen Raum
Carsharing in Baden-Württemberg: Überblick und kommunale Handlungsmöglichkeiten

1992:

Betriebsbeginn des Vaterstettener Auto-Teiler e. V.

2013:

Sieben Initiativen mit rund 40 Fahrzeugen und etwa 820 Fahrberechtigten; Beginn der Entwicklung als Modellregion.

2018 bis 2019:

Gründung weiterer Initiativen in Anzing, Aßling und Forstinning.

2019:

Elf Initiativen in elf Landkreisgemeinden; mehr als 80 Prozent der Landkreisbevölkerung leben in einer Gemeinde mit Carsharing-Angebot.

2023:

Nach der letzten zusammengeführten Erhebung 64 Fahrzeuge, rund 1.200 Mitglieder und über 2.400 Fahrberechtigte.

2026:

Potenzialanalyse zum Carsharing im Großraum München im Rahmen der strategischen Allianz Mobile Zukunft München und Region sowie Aktualisierung der Bestands- und Nutzungszahlen der elf Initiativen.

Bis 2030:

Weiterer Ausbau entsprechend den Zielen der Modellregion.

Carsharing Trägerverein EBE e. V.: Carsharing im Landkreis Ebersberg, https://www.ebe-carsharing.de/ [abgerufen am 17.09.2026].

Carsharing Trägerverein EBE e. V.: Ziele und Inhalte, https://www.ebe-carsharing.de/projekt-modellregion/ziele-inhalte/ [abgerufen am 17.09.2026].

Carsharing Trägerverein EBE e. V.: Sachstand und Meilensteine, https://www.ebe-carsharing.de/projekt-modellregion/meilensteine/ [abgerufen am 17.09.2026].

Landkreis Ebersberg: Der Landkreis in Zahlen, https://www.lra-ebe.de/landkreis/der-landkreis-in-zahlen [abgerufen am 17.09.2026].

Landkreis Ebersberg: Landrat Robert Niedergesäß, Sprecher der MVV-Verbundlandkreise [abgerufen am 17.09.2026].

Mobile Zukunft München und Region: Strategische Allianz für Mobilität und Logistik im Großraum München, https://www.mzm-allianz.net/ [abgerufen am 17.09.2026].

Vaterstettener Auto-Teiler e. V., https://www.carsharing-vaterstetten.de/ [abgerufen am 17.09.2026].

Videos

Dieses Video ist über den YouTube-Kanal von Mobilikon eingebunden. Wenn Sie dieses Video hier abspielen, erfolgt eine Datenübertragung an YouTube bzw. Google. Weitere Hinweise hierzu entnehmen Sie bitte unserer Datenschutzerklärung.

Quellvermerk: „Mobilikon 2021"

Ähnliche Praxisbeispiele

Quelle: Mobilikon 2021

Ridepooling: Hofer Landbus

Der Hofer Landbus ist ein etabliertes Ridepooling-Pilotprojekt im Landkreis Hof. Er ergänzt das bestehende Bus- und Bahnangebot in der Region. Der Hofer Landbus stellt die flächendeckende Erschließung des Landkreises Hof mit einem ÖPNV-Angebot an 365 Tagen im Jahr sicher.

Quelle: Heinrich Althausen heinrich.althausen@endura-kommunal.de

Mobilitätsnetzwerk Ortenau

Das Mobilitätsnetzwerk ist ein kommunaler Zusammenschluss von 14 Städten und Gemeinden aus der Ortenau. Es dient als zentraler Ansprechpartner für nachhaltige Mobilitätsangebote in der Region.