Pedelec-Verleih: Ein Rad für alle Fälle

Landrat Schuster (links) mit den Bürgermeisterin/Bürgermeistern der vier Kommunen
Quelle: Rhein-Sieg-Kreis / Landrat Schuster (links) mit den Bürgermeisterin/Bürgermeistern der vier Kommunen

Was ist das Projekt „Ein Rad für alle Fälle“?

„Ein Rad für alle Fälle“ war ein Modellprojekt für Berufspendelnde im Rhein-Sieg-Kreis (Laufzeit von Februar 2017 bis April 2019). Bei dem Projekt wurden Pedelecs kostengünstig für einige Wochen an Pendelnde verliehen. Insgesamt wurden 16 Pedelecs für das Modellprojekt bereitgestellt. Arbeitskräfte konnten von Montag bis Freitag die Pedelecs für ihren Arbeitsweg nutzen. Am Wochenende standen die Fahrräder zur touristischen Nutzung zur Verfügung. Hierzu mussten die geliehenen Pedelecs durch die Pendelnden für das Wochenende zurück zur Verleihstation gebracht werden, damit diese dort am Samstag und Sonntag von Touristinnen und Touristen genutzt werden konnten.

Das wöchentliche Holen und Bringen der Fahrräder erwies sich für einen großen Teil der Teilnehmenden und die Verleihstationen als nicht praktikabel. Im Projektverlauf wurden daher zusätzliche Pedelecs in das Projekt eingebracht und das wöchentliche Bringen und Abholen der Pedelecs entfiel für Teilnehmende aus entlegenen Ortschaften. Die ursprünglich geplante Doppelnutzung trat zunehmend in den Hintergrund. Der Fokus des Projektes verschob sich stattdessen auf die Etablierung des Pedelecs als Alternative zum eigenen Pkw.

Das Projektgebiet umfasste den nord-östlichen Rhein-Sieg-Kreis um die Gemeinden Lohmar, Much, Ruppichteroth und Neunkirchen-Seelscheid. Es handelt sich um eine ländliche Region. In dem Gebiet leben insgesamt ungefähr 75.000 Personen. Der Radverkehr besitzt dort insbesondere aufgrund der anspruchsvollen Topografie bisher nur eine geringe Bedeutung.

Welche Ziele wurden mit dem Projekt verfolgt?

Ein Verleihsystem von Pedelecs sollte die Nutzung für Pendelnde sowie Touristinnen und Touristen attraktiver gestalten. Das Projekt hatte zum Ziel, die Bewohnenden der Region mit der Nutzung eines Pedelecs vertraut zu machen. Es sollte beobachtet werden, wie potenzielle Nutzende das Angebot annehmen. Im besten Fall sollten sie davon überzeugt werden, sich ein Pedelec als Alternative zum eigenen Auto anzuschaffen. Teilnahmevoraussetzung für die Pendelnden war, dass diese ihren Arbeitsweg bisher mit dem privaten Pkw zurückgelegt haben. Ein weiteres Ziel des Projekts war zudem die Auslotung der Potenziale von Pedelec-Leihstationen in der Region für den Alltagsverkehr. Dabei sollte ein Modell entwickelt werden, dass sich auch auf andere vergleichbare Regionen übertragen lässt.

Wie erfolgte die konkrete Umsetzung?

Im Februar 2017 startete das Projekt mit fünf Ausleihstationen für Pedelecs. Als Ausleihstationen dienten Fahrradboxen, die sich an ÖPNV-Verknüpfungsstellen befanden. An diesen Verleihstationen wurden insgesamt 16 Pedelecs zur Verfügung gestellt. Die Leihgebühr pro Woche (Montag bis Freitag) betrug 5 Euro. Dies war ein symbolischer Preis, mit dem die Kosten nicht gedeckt werden konnten. Mit diesem günstigen Preis sollten Berufspendelnde von der Teilnahme am Projekt überzeugt werden.

In den Jahren 2017 und 2018 nahmen insgesamt 107 Personen an dem Modellprojekt teil. Den Probanden wurde für ein bis drei Monate ein Pedelec für den Arbeitsweg und die Freizeitnutzung zur Verfügung gestellt. Damit die Ergebnisse der Pedelec-Nutzung ausgewertet werden konnten, mussten die Teilnehmenden ein Wegeprotokoll führen. Außerdem fand eine Vorher-Nachher-Befragung der teilnehmenden Personen statt, um eine veränderte Meinung über Pedelecs zu überprüfen. Neben dem Pedelec erhielten die Testpersonen auch eine Subventionierung für die ÖPNV-Nutzung. Somit sollte der multimodale Verkehr aus Pedelec und ÖPNV ein nachhaltiger und adäquater Ersatz zum eigenen Pkw darstellen.

Die Projektleitung hatte der Rhein-Sieg-Kreis. Der bergische Touristikverein und der Fahrradverleihbetrieb „Liebe Bike“ sowie die lokalen Gemeinden unterstützten das Projekt bei der Planung, Ausstattung und Umsetzung.

Finanziert wurde das Modellprojekt mit Hilfe des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Aus dem Fördertopf des Nationalen Radverkehrsplans 2020 wurden 84.000 Euro für „Ein Rad für alle Fälle“ zur Verfügung gestellt. Dies entsprach ungefähr 81 Prozent der Gesamtkosten. Die restlichen 20.000 Euro wurden durch Eigenmittel des Rhein-Sieg-Kreises finanziert.

Damit potenzielle Testpersonen von dem Modellprojekt erfuhren, fand eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit statt. Die Öffentlichkeitsarbeit umfasste Werbeaufrufe in Printmedien und auf Internetseiten der Gemeinden, eine gezielte Werbung an ÖPNV-Stationen mit hohem Pendelndenanteil sowie Informationsveranstaltungen. Außerdem wurden für die teilnehmenden Personen ein Starterpaket zur Verfügung gestellt, welches u. a. eine Warnweste mit dem Aufdruck „Ich bin ein E-Bike-Pendler“ und eine Radwanderkarte enthielt.

01.05.2016:

Offizieller Projektplanungsstart

01.02.-31.10.2017:

Erste Projektphase

01.02.-31.10.2018:

Zweite Projektphase

30.04.2019:

Ende des Modellprojekts

Gloge, Petra, 28.06.2019: Pedelecnutzung im Alltagsverkehr - Ein Rad für alle Fälle, Zugriff: https://nationaler-radverkehrsplan.de/, Praxis, Ein Rad für alle Fälle [abgerufen am 02.04.2020].
Rhein-Sieg-Kreis, 2017: Ein Rad für alle Fälle im Rhein-Sieg-Kreis - Modellprojekt für Pedelec-Pendler. Siegburg.
Der deutsche Fahrradpreis, 2018: Ein Rad für alle Fälle, Zugriff: https://www.der-deutsche-fahrradpreis.de/, Preisträger-Archiv, 2018, Ein Rad für alle Fälle [abgerufen am 06.04.2020].
Hartmann, Sebastian, 08.06.2016: „Ein Rad für alle Fälle“ – Rhein-Sieg-Kreis erhält Bundesmittel, Zugriff: https://www.sebastian-hartmann.de/, Aktuelles [abgerufen am 06.04.2020].