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Ridepooling: Hofer Landbus

Eine Hand hält ein Handy auf dem die Hofer-Landbus-App geöffnet ist
Quelle: Mobilikon 2021

Was ist der Hofer Landbus?

Der Hofer Landbus ergänzt als flexibles Ridepooling das Mobilitätsangebot im gesamten Landkreis Hof (Bayern, Oberfranken). Der Hofer Landbus startete im September 2019 in der Stadt Rehau und in der Gemeinde Regnitzlosau und wurde dann in Stufen auf den gesamten Landkreis Hof ausgedehnt. Es wurden insgesamt vier Gebiete eingerichtet: (1) Rehau, Regnitzlosau, (2) Frankenwald, (3) Ring um Hof und (4) Raum Münchberg. Das letzte Gebiet (Raum Münchberg) hat am 01.01.2026 den Betrieb aufgenommen. Somit ist der gesamte Landkreis Hof flächendeckend mit dem Hofer Landbus erschlossen. Das Gebiet „Ring um Hof“ bedient zudem 18 Haltestellen in der kreisfreien Stadt Hof. Damit kann auch die Stadt Hof mit dem Hofer Landbus erreicht werden (ein- und ausbrechender Verkehr), auch wenn innerhalb der Stadt Hof keine Bedienung stattfindet. Das bedeutet, dass 94.000 Einwohnerinnen und Einwohner des Landkreises Hof und 46.000 Einwohnerinnen und Einwohner der kreisfreien Stadt Hof den Hofer Landbus nutzen können. Insgesamt wurden rund 2.000 Haltestellen im Gebiet des Landkreises Hof und der kreisfreien Stadt Hof eingerichtet. Beide Gebietskörperschaften verfügen zusammen über rund 1.000 km² Fläche. 

Der Bus verkehrt ohne Fahrplan und linienunabhängig in den jeweiligen Bedienungsgebieten. Für jede Kommune wurde ein sogenannter Verknüpfungsbereich definiert. Innerhalb dieses Bereichs kann der Hofer Landbus genutzt werden. Dies umfasst im Wesentlichen alle Nachbarkommunen und einen Zugang zum nächsten Bus und/oder Bahnknoten. Eine Fahrt durch den gesamten Landkreis ist mit dem Hofer Landbus nicht möglich. Dazu bedarf es in der Regel die Kombination mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln, wie Bus oder Bahn (Mobilitätsketten).

Die im Prinzip virtuellen Haltestellen sind in der Fläche durch reale Schilder gekennzeichnet, da sich dies im Sinne der Orientierung der Fahrgäste zur Haltestelle bewährt hat. Die Haltestellen liegen in den Gemeinden in einem Abstand von rund 200 bis 300 Metern auseinander und stellen durch ihre hohe Dichte einen leichten Zugang zum Hofer Landbus sicher. Sonderziele, wie z.B. Wanderparkplätze oder andere interessante Orte werden ebenfalls bedient, wenn diese über eine Straßenanbindung verfügen. Eine Fahrt mit dem Ridepooling-Bus kann zwischen 06:00 Uhr und 23:00 Uhr per App des Anbieters IOKI oder telefonisch über die Hofer Landbus Zentrale gebucht werden. Die Nutzerin bzw. der Nutzer erhält anschließend den Namen der fahrenden Person, das Autokennzeichen des Fahrzeuges und die voraussichtliche Ankunftszeit an der nächstgelegenen, bzw. der gebuchten Haltestelle. Falls andere Kundinnen oder Kunden zur selben Zeit eine ähnliche Strecke zurücklegen wollen, werden diese bedarfsgerecht in einem Fahrzeug gebündelt. Die Fahrzeuge des Hofer Landbusses bieten Platz für jeweils maximal acht Fahrgäste.

Die Bezahlung der Fahrt erfolgt in bar bei der fahrenden Person. Im Gegensatz zu städtischen Ridepooling-Angeboten zahlt die Kundin oder der Kunde beim Landbus streckenunabhängig immer denselben Betrag von drei Euro. Es ist angedacht den Hofer Landbus künftig in das Tarifsystem der Verkehrsgemeinschaft Großraum Nürnberg (VGN) zu integrieren und dessen Tarifsystem zu übernehmen. Es stehen ebenfalls rollstuhlgeeignete Fahrzeuge zur Verfügung, die im Bedarfsfall angefordert werden können.
Der Hofer Landbus ergänzt den bestehenden ÖPNV auf Schiene und Straße im Landkreis Hof. Fährt ein anderes Verkehrsmittel, zur gleichen Zeit zum gleichen Ziel, dann fährt kein Hofer Landbus und der Fahrgast wird von der Hofer Landbus App auf die andere Fahrtmöglichkeit verwiesen.

Welche Ziele werden mit dem Hofer Landbus verfolgt?

Ziel des Projektes ist es, den ländlichen öffentlichen Nahverkehr umfassender, benutzungsfreundlicher und zugänglicher zu gestalten. Das flexible Mobilitätsangebot soll das ÖPNV- und Taxiangebot ergänzen, sodass ein leistungsstarkes und komfortables Mobilitätsangebot in der Region geschaffen wird, das flächendeckend vorhanden ist. Mit dem Ridepooling-Angebot des Hofer Landbus werden nicht nur in Bezug auf die Erreichbarkeit von Mittel- und Oberzentren erstmals die Vorgaben der Richtlinie zu Nachverkehrsplanung des Freistaates Bayern erfüllt. Es werden auch viele kleine und kleinste Ortsteile erstmals in das Netz des ÖPNV des Landkreises Hof eingebunden, für kleine und mittlerer Kommunen ein innerörtlicher ÖPNV geschaffen der nicht nur auf den zentralen Ort ausgelegt ist, sondern Verbindungen zwischen allen Ortsteilen ermöglicht. Mit der On-Demand-Mobilität soll für alle Generationen ein Anreiz geschaffen werden, den ÖPNV zu nutzen. So erhofft sich der Landkreis durch das Ridepooling-Angebot eine Attraktivitätssteigerung der Region, die eine Abwanderung junger Menschen vom Land in die Städte verhindern soll bzw. der es älteren Generation ermöglicht auch ohne eigenen Pkw mobil zu bleiben.
Neben der Funktion als generationsübergreifendes Mobilitätsangebot soll der Hofer Landbus auch mobilitätseingeschränkten Personen die Möglichkeit geben, sich schnell und flexibel in ihrer Gemeinde und darüber hinaus fortzubewegen.
Langfristig ist das Ziel des Ridepooling-Angebots nicht nur Bürgerinnen und Bürger ohne eigenes Auto flexibel und mobil zu befördern, sondern auch Menschen dazu zu bewegen, auf die Nutzung ihres eigenen Fahrzeuges zu verzichten.

Wie erfolgte die konkrete Umsetzung?

Das Projekt Hofer Landbus wurde seit dem Frühjahr 2018 vorbereitet und im September 2019 gestartet. In Zusammenarbeit mit lokalen und bundesweit agierenden Partnerinnen und Partnern wurde das Ridepooling-Angebot geschaffen. Ein Taxi- und Mietwagenunternehmen stellte nach gewonnener Ausschreibung die Fahrzeuge und das Berliner Technologieunternehmen door2door die Software bereit. Außerdem wurde die Umsetzung des Projektes von der Logistik Agentur Oberfranken e.V. begleitet.
Vom Technologiepartner door2door konnten Erfahrungswerte aus einem ähnlichen Projekt übernommen werden. Im Jahr 2017 hatte door2door bereits in einem anderen ländlichen Gebiet, dem Landkreis Freyung in Bayern, ein Ridepooling-Angebot umgesetzt. Bei der Einführung des Landbusses im Landkreis Hof wurden umfangreiche Marketingmaßnahmen ergriffen, um die Bekanntheit und Akzeptanz des neuen Angebotes zu steigern, u. a. wurde in den lokalen Tageszeitungen über die Einführung berichtet und die Bewohnerinnen und Bewohner hatten bei verschiedenen Veranstaltungen die Möglichkeit sich an einem Stand des Landkreis Hof zu informieren. Um insbesondere die Zielgruppe von jüngeren Menschen zu erreichen, wurde auch in den sozialen Netzwerken über das neue Mobilitätsangebot informiert. Durch das Ausscheiden von Door2Door am Markt musste eine andere Steuerungssoftware beschafft werden. Seit dem 01.04.2023 steht eine neue App von IOKI zur Buchung der Fahrten zur Verfügung. Die bestehenden Gebiete des Hofer Landbus wurden umgestellt und die seit 2023 neu hinzugekommenen Gebiete mit der neuen Software in Betrieb genommen.

Das Projekt wird durch die Bayerische Staatsregierung im Rahmen des „Förderprogramm Ergänzender Nahverkehrsangebote zur Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum mit bedarfsorientierten Bedienformen des allgemeinen ÖPNV und Pilotprojekten landkreisübergreifender Expressbusverbindungen im Omnibusverkehr (ErNa)“ gefördert. Dabei wurde für jedes Hofer Landbus Gebiet ein separater Förderantrag gestellt und durch die Regierung von Oberfranken bewilligt.

Die größte Umsetzungsschwierigkeit für das Ridepooling-Angebot bestand in der Anfangszeit in der Information der Bürgerinnen und Bürger über die Funktionsweise und die Möglichkeiten des Systems. Hierzu wurde der Hofer Landbus, (für jedes Gebiet neu), auf allen Medienkanälen und vielen Veranstaltungen beworben und die Bürgerinnen und Bürger über das Angebot informiert. Die Informationsflyer zum Hofer Landbus wurden an alle Haushalte verteilt. Im Ergebnis waren die Medienkampagnen verstärkt durch Mund zu Mund Propaganda sehr erfolgreich, wie der schnelle Hochlauf der Nutzerzahlen in allen Gebieten gezeigt hat.

Ridepooling
Quelle: Peter Berglund / Getty Images
Maßnahme

Ridepooling

Icon Maßnahme

Ridepooling ist die kommerzielle Bündelung und Beförderung von Personen mit ähnlichem Fahrtziel zu einer gemeinsamen Fahrt. Auslastung und Kosteneffizienz werden so verbessert.

Digitaler Rufbus: BerlKönig BC
Quelle: BVG, Andreas Süß
Icon Praxisbeispiele

Der BerlKönig BC war ein digitaler Rufbus, der dünn besiedelte Gebiete im Berliner Umland an das Berliner ÖPNV-Netz anschloß. Die Fahrtwünsche wurden mithilfe eines Algorithmus gebündelt.

Ridepooling: EcoBus
Quelle: MPIDS/Keppel
Praxisbeispiele

Ridepooling: EcoBus

Icon Praxisbeispiele

EcoBus ist eine Software zum Betrieb bedarfsgesteuerter Kleinbusflotten. Mit ihrer Hilfe werden Fahrtwünsche zu optimalen Routen bzw. Wegeketten verknüpft und mit bestehenden Liniensystemen kombiniert.

Smartes DorfSHUTTLE - On-Demand-Ridepooling im Amt Süderbrarup

Handbuch zur Planung flexibler Bedienungsformen im ÖPNV
Quelle: berlin-event-foto.de/Peter-Paul Weiler
Icon Instrumente

Das Handbuch des BMVBS gibt eine Einführung in flexible Bedienformen im ÖPNV und bietet Hilfestellungen und Hintergrundinformationen zu den zentralen Aspekten der Einführung in ländlichen Räumen.

Personenbeförderungsgesetz (PBefG)
Quelle: Bildkraftwerk / Laurin Schmid
Icon Instrumente

Die gewerbsmäßige Beförderung von Fahrgästen unterliegt der Genehmigungspflicht. Das PBefG regelt rechtlich zulässige Verkehrsarten und Voraussetzungen unter denen eine Genehmigung erteilt wird.

17.09.2019:

Start des Ridepooling-Pilotprojektes (für zunächst ein Jahr)

03.11.2019:

1.000er Fahrgast

19.06.2020:

Beschluss zur Fortführung

03.08.2020:

Einführung Vorausbuchungsoption

17.01.2022

Einführung des Hofer Landbus in Döhlau und Gattendorf

12.09.2023:

Einführung des Hofer Landbus im Gebiet „Frankenwald)

07.10.2024:

Einführung des Hofer Landbus im Gebiet „Ring um Hof“

01.01.2026:

Start Hofer Landbus „Raum Münchberg“

Die flächendeckende Erschließung des Landkreises Hof mit dem Hofer Landbus ist abgeschlossen.

100% Hof, 22.09.2019: Hofer Landbus. Zugriff: https://www.100prozenthof.de/news/allgemeines/hofer-landbus [abgerufen am 10.08.2026].

Bayerischer Rundfunk, 15.10.2024: ÖPNV ohne fixen Fahrplan. Projekt „Hofer Landbus” wird erweitert. Zugriff: https://www.br.de/nachrichten/bayern/oepnv-ohne-fixen-fahrplan-projekt-hofer-landbus-wird-erweitert,URFW2FF [abgerufen am 10.08.2026].

Door2door, 17.09.2019: Digitale On-Demand-Mobilität auf dem Land: Wie der Hofer LandBus neue Anreize schafft. Zugriff: https://door2door.io/de/ [abgerufen am 11.05.2020].

Fund, Dietmar, 27.09.2019: Hofer Taxi-Betrieb steigt ins Pooling ein. Zugriff: https://www.taxi-heute.de/de/news/sammelfahrten-taxi-apps-hofer-taxi-betrieb-steigt-ins-pooling-ein-19891.html [abgerufen am 10.08.2026].

Licha, Christian, 14.01.2020: Sinnvoller als teure Geisterbusse. Zugriff: https://www.infranken.de/lk/gem/sinnvoller-als-teure-geisterbusse-art-4760587 [abgerufen am 10.08.2026].

Landkreis Hof, 23.03.2023: App-Wechsel beim Hofer LandBus zum 1.4.2023. Zugriff: https://www.landkreis-hof.de/app-wechsel-hofer-landbus-2023/ [abgerufen am 10.08.2026].

Landratsamt Hof, FB Kreisentwicklung (ÖPNV): Email: oepnv@landkreis-hof.de
Tel.: 09281 57425 o. 57252

Videos

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Quellvermerk: „Mobilikon 2020"

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