BürgerForum

Was ist das Ziel eines BürgerForums?

Das BürgerForum ist ein standardisiertes Beteiligungsformat, welches zum Ziel hat, die Ideen der Bürgerinnen und Bürger für die Arbeit von Entscheidungstragenden nutzbar zu machen. Das von der Bertelsmann Stiftung und der Heinz Nixdorf Stiftung entwickelte und beispielsweise mit den BürgerForen „Soziale Marktwirtschaft“ (2008), „Europa“ (2009) und „BürgerForum 2011 – Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ erprobte Format soll darüber hinaus Menschen motivieren, an politischen Entscheidungsprozessen mitzuwirken. Insofern eignet sich ein BürgerForum auch für Themen aus dem Bereich der Mobilität.

Ein BürgerForum zeichnet sich, im Gegensatz zu anderen Beteiligungsformaten, dadurch aus, dass Präsenzveranstaltungen und Online-Diskussionen kombiniert werden. Mit einem umfangreichen Verfahren zur Teilnehmerwerbung und -anmeldung erhebt es den Anspruch, aus allen Bereichen der Bevölkerung Menschen zum Mitmachen zu gewinnen. Eines der Alleinstellungsmerkmale des Formats ist die Rolle der Bürgerredakteure und Bürgerredakteurinnen. Diese werden während der Auftaktwerkstatt ausgewählt, die der Initiator leitet, und begleiten die Entstehung von Vorschlägen. Ergebnis eines BürgerForums sind von den Teilnehmenden selbst ausformulierte Bürgerprogramme zu einem bestimmten Thema. An einem BürgerForum können rund 100 bis 400 Menschen teilnehmen. Im Kontext ländlicher Räume bietet es sich an, ein BürgerForum auf einer übergeordneten Ebene auszurichten, beispielsweise auf Kreisebene oder im Zusammenschluss mehrerer Gemeinden, um möglichst viele Perspektiven einbringen und die Finanzierungsbasis erweitern zu können. Ein BürgerForum kann von einzelnen Kommunen initiiert und ausgerichtet werden, aber auch von Zusammenschlüssen von Kommunen und/oder von Landkreisen. 

Wie funktioniert die Umsetzung? 

Vorbereitung, Umsetzung und Nachbearbeitung eines BürgerForums erstrecken sich über den Zeitraum eines Jahres. Der Zeitraum, in dem Bürgerinnen und Bürger konkret mitarbeiten und eingebunden sind, beläuft sich auf bis zu acht Wochen. In der zwölfwöchigen Vorbereitungsphase werden die Eckdaten des BürgerForums definiert: Thema, Ausschüsse, Zielgruppe und Zeitplan. Darauf folgen sechs Wochen, in denen Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme eingeladen werden, sich informieren und anmelden können. In der eintägigen Auftaktwerkstatt diskutieren die Bürgerinnen und Bürger und entwickeln Vorschläge. Es folgt ein Zeitraum von vier bis sieben Wochen, in dem in einer Online-Werkstatt die Bürgerinnen und Bürger die Vorschläge konkretisieren und ein Bürgerprogramm erarbeiten. In der darauffolgenden, etwa halbtägigen Ergebniswerkstatt werden die Ergebnisse an die Initiatoren des BürgerForums, in der Regel Politik und Verwaltung, übergeben. Es werden mit den Bürgerinnen und Bürger verbindliche Maßnahmen zur Ergebnisverwertung vereinbart. 

Gegenstand eines BürgerForums können grundsätzlich alle Themen sein, die in einem Gebiet relevant sind und bei denen es tatsächlichen Handlungsspielraum gibt. Es ist wichtig, ein Thema mit Bezug zur Lebenswirklichkeit der Bürgerinnen und Bürger zu wählen. Denkbar ist ein BürgerForum zu Themen wie der Verbesserung der Mobilität in ländlichen Räumen oder der Verbesserung der Lebensqualität in ländlichen Räumen. Zielsetzung, Ausschussthemen und Fragestellung in der Auftaktwerkstatt eines BürgerForums müssen eng aufeinander abgestimmt werden. Aufgrund des langen Zeitraums, über den sich ein BürgerForum erstreckt, eignet sich das Verfahren nicht, wenn es darum geht, schnelle Entscheidungen zu treffen. 

Das BürgerForum stützt sich auf einer Online-Plattform, die in allen Phasen des Forums genutzt wird. Die Software ist unter einer freien und offenen Lizenz (GPL) verfügbar und wird laufend weiterentwickelt.

Schwierigkeiten können bei der Gewinnung der Teilnehmenden auftreten. Ein BürgerForum ist ein umfangreiches Vorhaben, das nicht nur seitens der ausrichtenden Organisation, sondern auch seitens der Teilnehmenden einen besonderen Einsatz erfordert. Sinnvoll ist ein schlüssiges Erwartungsmanagement, um Enttäuschungen aufgrund unrealistischer Erwartungen vorzubeugen, sowohl seitens der ausrichtenden Organisation als auch seitens der Teilnehmenden.

Bertelsmann Stiftung, o. A.: Broschüre BürgerForum. Zugriff: http://www.buerger-forum.info [abgerufen am 18.03.2020].
Bertelsmann Stiftung, o. A.: Handbuch BürgerForum. Zugriff: http://www.buerger-forum.info [abgerufen am 18.03.2020].
Bussieweke, Marita, 2016: BürgerForum. Zugriff: http://www.beteiligungskompass.org, Methoden [abgerufen am 18.03.2020].

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