MobilityLab

Was ist ein MobilityLab?

MobilityLab ist ein Format, um interdisziplinär innovative Lösungen für Mobilitätsfragen vor Ort zu entwickeln (Mobility heißt Mobilität, Lab ist die Kurzform von Labor, der Name lehnt an das Konzept der „Reallabore“ an). Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Mobilität vor Ort verbessert werden kann. Ziel ist es, Zivilgesellschaft, Fachleute und Verantwortlichen der Kommunen oder Region an einen Tisch zu bringen, um ein Mobilitätsangebot zu entwickeln, das zu den Bedürfnissen der Zielgruppe passt. In mehreren Veranstaltungsblöcken werden Lösungsansätze gesucht, diskutiert und getestet.

Welche Vorteile bietet das MobilityLab?

Der große Vorteil des Formats ist es, dass durch die Kooperation von Zielgruppenvertreterinnen und -vertretern sowie verschiedenen Fachleuten großes kreatives Potenzial entsteht. Gemeinsam können innovative und für die Situation vor Ort passgenaue Angebote entwickelt und getestet werden. Die Teilhabe der Zivilgesellschaft stellt sicher, dass ihre Mobilitätsbedürfnisse getroffen werden. Die Recherche und Anwesenheit der Fachleute und Verantwortlichen fördert ein Ergebnis, das tatsächlich umgesetzt werden kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein auf dieser Basis eingeführtes Angebot intensiv genutzt wird, ist hoch.

Wie erfolgt die konkrete Umsetzung?

Das MobilityLab kann von verschiedenen Akteuren organisiert werden, z. B. durch eine oder mehrere Kommunen gemeinsam, durch eine Region oder Vereine und Interessensvertretungen vor Ort. Zuerst werden die wichtigsten Stakeholder identifiziert: Dazu gehören die Zielgruppe des zu entwickelnden Angebots, Mobilitätsexpertinnen und -experten und für die Umsetzung verantwortliche Personen (z. B. aus Verwaltung oder Verkehrsunternehmen). Vertreterinnen und Vertreter dieser Gruppen werden anschließend für die Teilnahme am MobilityLab angefragt. Wichtig ist, dass die Teilnehmenden alle wichtigen Stakeholder-Gruppen abbilden, um alle relevanten Positionen einzubringen.

Insgesamt sollten mindestens drei Veranstaltungsblöcke à 1,5 bis 3 Stunden veranschlagt werden, um ein fundiertes Ergebnis zu erlangen. Die Vorbereitung der Veranstaltung umfasst einerseits die Organisation von Räumlichkeiten, Technik, Verpflegung und Programm und andererseits die inhaltliche Vorbereitung. Wichtig für die inhaltliche Vorbereitung ist das Zusammenstellen von Informationen über Bedarfe, den Ist-Zustand und die Rahmenbedingungen (z. B. für die Maßnahme zur Verfügung stehende Mittel). Für die Vorbereitung sollten mindestens 1 bis 2 Monate eingeplant werden. Für die Durchführung der Veranstaltungsblöcke sind dann noch einmal 2 bis 3 Monate vorgesehen.

Das Programm der Veranstaltungsblöcke besteht jeweils aus Arbeits- und Diskussionsgruppen (5 bis 10 Teilnehmende) zur konkreten Erarbeitung von Mobilitätslösungen und aus Plenumsversammlungen, um die Vorschläge der Gruppen zu sammeln und gemeinsam zu diskutieren. Je nach Kapazität des Veranstaltungsortes können mehrere Arbeitsgruppen parallel zusammenkommen. Die Gruppen sollten jeweils möglichst durchmischt sein. Alle (Zwischen-)Ergebnisse werden dokumentiert. Die erarbeiteten Vorschläge sollten möglichst während oder zwischen den jeweiligen Veranstaltungsblöcken getestet werden, um sie direkt verbessern zu können.

Die Durchführung eines MobilityLabs ist vergleichsweise zeit- und ressourcenaufwendig. Die Auswahl und Einladung der Teilnehmenden, die inhaltliche Vorbereitung und die Organisation der einzelnen Blöcke erfordert deutlich mehr Aufwand als andere Formate (z. B. einmalige abendliche Podiumsdiskussion). Von den Teilnehmenden erfordert das MobilityLab ein hohes Maß an Motivation und Verbindlichkeit, an mindestens drei Terminen teilzunehmen und intensiv an Vorschlägen zu arbeiten. Wenngleich ein lohnendes Ergebnis winkt, ist das eine hohe Hürde für die Durchführung.

Die Moderation muss die Waage halten zwischen (durchaus gewinnbringenden) Brainstorming, was möglich wäre („Luftschlösser“) und dem was praktisch umsetzbar ist. Einerseits lebt das Format von kreativen, unkonventionellen und bislang ungesehenen Vorschlägen, andererseits ist Frust vorprogrammiert, wenn die erarbeiteten Ergebnisse am Ende nicht umgesetzt werden können, weil sie vor Ort nicht umsetzbar sind. Hier gilt es, möglichst alle relevanten Entscheiderinnen und Entscheider  zu  involvieren und im Programm immer wieder eine Überprüfung der Machbarkeit der Vorschläge zu verankern.

GreenSAM o.J.: Concept Paper. Mobility Lab. Zugriff: https://greensam.eu, Toolbox, Mobility Living Lab. [abgerufen am 04.05.2021].