Plattformbasierte Online-Dialoge

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Quelle: Kiyoshi Hijiki / Getty Images

Was sind Plattformbasierte Online-Dialoge?

Bürgerinnen und Bürger können als Alltagsexpertinnen und Alltagsexperten aktiv in die Erstellung von Mobilitätskonzepten oder in die Umsetzung von Maßnahmen einbezogen werden. Mithilfe einer Plattform oder über den Internetauftritt der Kommune können die Menschen über einen festgesetzten Zeitraum Anregungen online eintragen. Die Beteiligungsmöglichkeit ist „asynchron“, das heißt, sie kann zu einem selbstgewählten Zeitpunkt innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne erfolgen. (Bei „synchronen“ Beteiligungsformaten, wie „klassischen“ Beteiligungsveranstaltungen online oder vor Ort, müssen alle Teilnehmenden gleichzeitig teilnehmen.)

Je nach Zielsetzung können Bürgerinnen und Bürger zur Situation vor Ort (z. B. Zustand von Radwegen, Gefahrensituationen bei Straßenkreuzungen, Anbindung an den ÖPNV) befragt werden oder die Reihenfolge bestimmter Umsetzungsschritte hierarchisieren. Für die Ausgestaltung eignen sich entweder Fragebögen oder die Bereitstellung einer Karte, auf der konkrete Orte mit Verbesserungsbedarf eingetragen werden können (z. B. Straßenschäden, eine unübersichtliche Kreuzung).

Welche Vorteile bieten Plattformbasierte Online-Dialoge?

Online-Dialoge gestalten die Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern niedrigschwellig und ermöglichen diesen, ohne großen Zeitaufwand Wünsche, Verbesserungsvorschläge und Hinweise einzureichen. Durch das asynchrone Format wird auch denjenigen Personen die Teilhabe ermöglicht, die beispielsweise eine Veranstaltung aus Zeitgründen nicht besuchen können. So können mehr Bürgerinnen und Bürger zur Beteiligung motiviert werden und das Vorhaben erfährt eine größere Legitimation. Die Kommune hat nach dem Dialog eine Vielzahl von Hinweisen, die aufgrund der konkreten Fragestellung aufbereitet werden können. Mithilfe der Kartendarstellung kann visualisiert werden, an welchen konkreten Orten die Kommune mit Mobilitätsverbesserungen ansetzen kann.

Wie erfolgt die konkrete Umsetzung?

Zunächst sollte festgelegt werden, welchen Informationsgewinn die Kommune sich aus einer Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger erhofft, um die Fragen zielführend auszuformulieren. Es können eigene Seiten aufgesetzt oder Umfrage- und Kartentools in den bestehenden Internetauftritt der Kommune integriert werden. Wichtig ist hier eine gute und verständliche Beschreibung des Prozesses und der Ziele. Es ist wichtig, erwartbare Ergebnisse transparent zu machen und klar zu beschreiben, wie mit den Hinweisen weitergearbeitet werden wird.

Es empfiehlt sich, zum Start des Online-Dialogs eine Auftaktveranstaltung zu organisieren. Diese kann ebenfalls online (als Stream) oder vor Ort (z. B. im Gemeindezentrum) stattfinden. Hier werden Hintergründe und, wenn vorhanden, erste Analyseergebnisse der Situation vor Ort vorgestellt. Diese können diskutiert, Grundsätze erklärt und Fragen beantwortet werden. Zeitgleich oder im Anschluss wird das Portal freigeschaltet, sodass Bürgerinnen und Bürger ihre Anregungen online eintragen können.

Nach dem zuvor festgelegten und kommunizierten Zeitraum des Dialogs, kann die Kommune (bzw. alle an der Planung beteiligten Akteure wie ein ggf. beauftragtes Planungsbüro) die Kommentare prüfen und in den weiteren Prozess mit einbeziehen. So kann je nach Zielsetzung auf Grundlage dieser Hinweise auch die konkrete Umsetzung von Mobilitätsmaßnahmen geplant oder ein Mobilitätskonzept erstellt werden.

Herausfordernd ist es, die Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme zu motivieren. Auch wenn ihr Aufwand vergleichsweise gering ist, müssen sie von dem Dialog erfahren und von den Vorteilen überzeugt werden. Um möglichst viele Personen zu beteiligen, sollte ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, auch häufig unterrepräsentierte Gruppen einzubeziehen. Bei der Kommunikation muss darauf geachtet werden, den Prozess klar zu erklären, damit keine unrealistischen Erwartungen geweckt werden. Die Integration der Online-Tools auf die Internetseite und deren Betreuung erfordert außerdem technisches Wissen, das eventuell nicht in allen Kommunen vorhanden ist.

Bundeszentrale für politische Bildung, 10.10.2017: Werkstatt bpb. Digitale Tools können Menschen eine Stimme geben, die politisch wenig gehört werden. Zugriff: https://www.bpb.de, Lernen, Digitale Bildung, werkstatt.bpb, Themen, Digitale Zivilgesellschaft, „Digitale Tools können Menschen eine Stimme geben, die politisch wenig gehört werden.“ [abgerufen am 29.07.2021].
Kersting, Norbert, 2013: Online participation. From ‚invited‘ to ‚invented‘ Space. International Journal of Electronic Governance, 6. Jg.(4), S. 270-280.
Landkreis Marburg Biedenkopf, o.A.: Radverkehrsentwicklung im Landkreis. Zugriff: https://www.mein-marburg-biedenkopf.de, Dialoge, Radverkehrsentwicklung im Landkreis.
Trénel, Matthias, Fitschen, Katja, 2014: Online-Konsultationen in der Praxis. Welche Maßstäbe sind angemessen? In: Voss, Kathrin (Hrsg.): Internet und Partizipation. Wiesbaden, S. 337-248.