Verkehrsversuch

Was ist ein Verkehrsversuch?

Ein Verkehrsversuch ist ein zeitlich befristetetes Instrument zur Untersuchung und Erprobung von Maßnahmen im Straßenraum. Dieser Ansatz ist in der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) rechtlich verankert und kann von Straßenverkehrsbehörden veranlasst werden: „Die Straßenverkehrsbehörden können die Benutzung bestimmter Straßen oder Straßenstrecken aus Gründen der Sicherheit oder Ordnung des Verkehrs beschränken oder verbieten und den Verkehr umleiten. Das gleiche Recht haben sie […] zur Erforschung des Unfallgeschehens, des Verkehrsverhaltens, der Verkehrsabläufe sowie zur Erprobung geplanter verkehrssichernder oder verkehrsregelnder Maßnahmen.“ (StVO § 45, Abs. 1). Diese rechtliche Grundlage unterscheidet Verkehrsversuche von temporären Aktionen, für welche in der Regel eine Anmeldung als öffentliche Versammlung oder ein Antrag als Sondernutzung bei der zuständigen Ordnungsbehörde erfolgen muss.

Was ist das Ziel eines Verkehrsversuchs?

Verkehrsversuche bieten die Möglichkeit, Maßnahmen vor ihrer dauerhaften Umsetzung lokal zu erproben und zu evaluieren. So können Lösungsansätze getestet werden, die ggf. in ihrer permanenten Implementierung komplex und kostenintensiv wären.

Durch Verkehrsversuche können beispielsweise Umverteilungsformen im Straßenraum erprobt und mit begleitender Begutachtung und anschließender Auswertung die Potenziale benannt werden. Auf dessen Basis können Kommunen weitere Planungen vornehmen und langfristige Maßnahmen umsetzen. Zudem können Konfliktfelder sichtbar und alternative Ideen für die Öffentlichkeit vor Ort erlebbar gemacht werden.

Im Rahmen eines Verkehrsversuchs kann beispielsweise die Ausweisung einer Fußgängerzone in einem Streckenabschnitt, die Verkehrsberuhigung durch modale Filter, die Errichtung von Radwegen oder auch eine verlängerte Busspur untersucht werden.

Der Versuchszeitraum sollte ausreichend bemessen werden, um die Wirkungen einer Maßnahme entsprechend prüfen zu können. Üblicherweise wird ein Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten ausgelegt. Die Form der Kommunikation und die Öffentlichkeitsarbeit spielen dabei eine wichtige Rolle. Informationsveranstaltungen sowie die Beteiligung von Anwohnenden, Gewerbetreibenden, anderen betroffenen Akteuren sowie der Bürgerinnen und Bürger können die Akzeptanz erhöhen, da auch bei temporären Verkehrsversuchen Einwände und Widerstände zu erwarten sind. Verkehrsversuche können so als Impulsgeber fungieren und der Bevölkerung ausgewählte Themen näher bringen und einen Austausch anregen.

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), 2019: Konzepte für den Stadtverkehr der Zukunft. Bonn. BBSR-Online-Publikation Nr. 08/2019. Zugriff: www.bbsr.bund.de, Veröffentlichungen [abgerufen am 20.06.2022].
Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), 12.07.2021. Zugriff: https://www.gesetze-im-internet.de/, Gesetze/Verordnungen, StVO [abgerufen am 20.06.2022].
Umweltbundesamt (UBA), 2020: Quartiersmobilität gestalten. Verkehrsbelastungen reduzieren und Fläche gewinnen. Zugriff: https://www.umweltbundesamt.de, Publikationen [abgerufen am 09.06.2022].
Zukunftsnetz Mobilität NRW, 2021: Leitfaden Stadtexperimente. Aktionen und Verkehrsversuche für die Mobilität der Zukunft. Von der Idee bis zur Umsetzung. Zugriff: https://www.zukunftsnetz-mobilitaet.nrw.de/, Mobilithek, Downloads [abgerufen am 09.06.2022].