MyShuttle Marxzell

Pkw des My Shuttles
Quelle: Paul Gärtner

Ausgezeichnet im Rahmen des Wettbewerbes "Gemeinsam erfolgreich. Mobil in ländlichen Räumen“ (2021) des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Was ist MyShuttle Marxzell?

On-Demand bedeutet die Fahrzeuge fahren je nach Bedarf und auf Bestellung der Fahrgäste an virtuellen Haltestellen. Die virtuellen Haltestellen befinden sich jeweils in einem Abstand von 250 Metern zueinander. Gebucht werden können Fahrten über eine App des lokalen Verkehrsverbundes oder (mit eingeschränkten Funktionen) telefonisch. Es gelten die regulären Tarifbestimmungen.

In Marxzell dienen die On-Demand-Verkehre dabei vor allem als Zubringer zu den Stadtbahnstationen. Sie ergänzen das vorhandene ÖPNV-Angebot, in dem sie in Randzeiten verkehren, in denen kein Busverkehr mehr stattfindet. Die Menschen in Marxzell sind dadurch auch abends und am Wochenende optimal an das Stadtbahnsystem der Region Karlsruhe („Karlsruher Modell“) angebunden.

Als Teil eines Smart-City-Konzeptes mussten zur erfolgreichen Umsetzung der Bedarfsverkehre noch einige weitere infrastrukturelle Anpassungen vorgenommen werden. Beispielsweise wurde in Zusammenarbeit verschiedener Akteure die Infrastruktur zur Einrichtung des benötigten WLAN für die On-Demand-Verkehre mithilfe einer flächendeckenden Internetverbindung in Marxzell geschaffen. Außerdem erfolgte die Einrichtung von drei Elektroladesäulen für die Fahrzeuge des Verkehrsprojektes und für private Elektrofahrzeuge der Menschen in Marxzell.

Welche Ziele werden mit dem MyShuttle Marxzell verfolgt?

Mit der Einführung der On-Demand-Verkehre in Marxzell („MyShuttle“) ist eines der Hauptziele das Schaffen eines attraktiven und nachhaltigen Mobilitätsangebotes. Die Menschen in Marxzell sollen auch in Randzeiten an die bereits vorhandene Schieneninfrastruktur in Form der Stadtbahn nach Karlsruhe angebunden werden. Durch die Möglichkeiten der Ticketbuchung per App bieten die Bedarfsverkehre ÖPNV mit einer hohen Flexibilität an. Mit der hohen Dichte an virtuellen Haltepunkten sind die Wege von zu Hause bis zum Haltepunkt marginal und stellen einen zusätzlichen Attraktivitätsfaktor dar. Aufgrund des Einsatzes von Elektrofahrzeugen werden CO2- und Lärmemissionen eingespart. Zudem steht den Menschen in Marxzell durch das ausgebaute WLAN-Netz vor Ort auch außerhalb des heimischen WLAN Internet zur freien Verfügung. Insgesamt hat das Projekt zum Ziel, ein klimafreundliches und attraktives Mobilitätsangebot zu schaffen, mit dem eine nachhaltige Verkehrswende erreicht werden kann.

Wie erfolgte die konkrete Umsetzung?

Zur erfolgreichen Umsetzung der On-Demand-Verkehre war die Zusammenarbeit aller Akteurinnen und Akteure notwendig. Zu Beginn (Ende 2019) mussten aufgrund der fehlenden Internetinfrastruktur WLAN-Hotspots installiert werden. Durch diese wurde die Buchung per App sowie das Tracken der MyShuttle-Fahrzeuge ermöglicht. Nachdem ein geeigneter App-Anbieter gefunden worden war, konnten die allgemeinen Rahmenbedingungen zur konkreten Umsetzung der Bedarfsverkehre eingeleitet werden. Anschließend fand die Festlegung von Tarifen, Service-Zeiten und Gebieten, sowie die Definierung von Gebieten für die virtuellen Haltestellen statt. Neben der verkehrsplanerischen Umsetzung erfolgte eine genehmigungsrechtliche Begleitung. Nach der Ausschreibung der Bedarfsverkehre als Subunternehmerleistung wurde ein Angebot eines lokalen Taxiunternehmens eingereicht. In der Zwischenzeit entstanden die drei E-Ladesäulen. Nachdem der Liniengenehmigungsantrag durch das Regierungspräsidium Karlsruhe abgesegnet worden war, konnten die On-Demand-Verkehre mit einigen Monaten Verzögerung (durch die Corona-Pandemie) Anfang Juni 2020 ihren regulären Betrieb aufnehmen.

Die größte Herausforderung in Bezug auf die zeitbezogene Umsetzung des Projektes stellte die Corona-Pandemie dar. Sie begann mitten in den Planungen für die Einführung der On-Demand-Verkehre in Marxzell. Durch den Ende März 2020 begonnen Lockdown veränderten sich nicht nur die Kommunikations- und Planungsmöglichkeiten der beteiligten Akteurinnen und Akteure, sondern es fand auch ein deutlicher Rückgang bei den Fahrgastzahlen im ÖPNV statt. Dies führte zu Planungsunsicherheiten, da nicht absehbar war, wie lange die Pandemie anhalten würde und wann der ÖPNV wieder vermehrt genutzt werden würde. Der Start der MyShuttle-Verkehre in Marxzell verschob sich daher vom Frühjahr 2020 auf Anfang Juni 2020. Ein Betrieb war zu diesem Zeitpunkt auch nur unter den geltenden Coronaregeln des ÖPNV möglich (Maskenpflicht, begrenzte Fahrgastanzahl in den Fahrzeugen etc.).

Eine weitere Herausforderung stellte die fehlende Infrastruktur im Bereich des WLAN-Netzes dar. Hier war die Erweiterung des Breitbandnetzes in Marxzell durch das Einrichten verschiedener WLAN- Hotspots notwendig. Auch für den Bau von E-Ladesäulen in Marxzell mussten erst bestimmte Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dafür musste mit einigen privaten Haushalten und Kommunen die Mitnutzung der Internet- und Stromanschlüsse im Vorfeld abgestimmt werden.

Bei Projekten wie MyShuttle in Marxzell bestehen die größten Herausforderungen in dem Schaffen von technischer Infrastruktur in Bezug auf Ladesäulen und flächendeckendem WLAN. Diese beiden Komponenten sind insbesondere in ländlichen Räumen, in denen On-Demand-Verkehre besonders effektiv sein können, wenig ausgebaut. Daher sollten die Vorbereitungen für diese Bereiche rechtzeitig getroffen werden.

September 2019:

Start der Gespräche mit (möglichen) Betreibern

Dezember 2019/Januar 2020:

Vertrag zur Neuerschließung bzw. Erweiterung der On-Demand-Verkehre in Marxzell

April 2020:

Liniengenehmigungsantrag beim Regierungspräsidium Karlsruhe

02.06.2020:

Start der „MyShuttle“-Verkehre in Marxzell

Landkreis Karlsruhe, 2021.