Planspiel Mobilität

Was ist ein Planspiel? 

Ein Planspiel Mobilität ist ein Spiel- und Lernformat, das einen (realen oder fiktiven) Entscheidungsprozess im Bereich der Mobilität abbildet. Der abgebildete Prozess kann in unterschiedlichen Phasen ansetzen: Problemerkennung, Bestandsanalyse, Lösungsansätze, Konzeptentwicklung oder Konzeptumsetzung. Beispielsweise lassen sich Planspiele zur Elektromobilität oder der Einführung eines Marktbusses durchführen. Im Rahmen des Planspiels schlüpfen die Spielenden mithilfe umfangreicher Spielunterlagen in die Rollen verschiedener Stakeholder (z. B. Stadtverwaltung, Stadtwerke, Busunternehmen, Umweltschutzverein, Wirtschaftsvertretung) und durchlaufen den Entscheidungsprozess. Dieser ist so gewählt, dass er zu einem Ergebnis führt (z. B. Identifizierung von Lösungsansätzen oder der Entwicklung eines Konzepts). 

    Welche Vorteile bietet ein Planspiel? 

    Mit einem Planspiel Mobilität können verschiedene Ziele verfolgt werden, die vom jeweiligen Einsatz des Planspiels abhängig sind:

    • Ein Planspiel kann zum einen als Kommunikationsmaßnahme dienen. Hierbei besteht das Ziel darin, das Bewusstsein für die vielfältigen Implikationen des Themas Mobilität zu schärfen und das Interesse für die Mitwirkung an Mobilitätsentscheidungsprozessen zu fördern. Zudem kann die Komplexität eines Themas oder eines Entscheidungsprozesses vermittelt werden. Indem die Spielenden den Entscheidungsprozess selbst durchlaufen und erleben, wird dieser transparenter. 
    • Ein Planspiel kann auch als „Testlauf“ für einen real bevorstehenden Entscheidungsprozess dienen. Ziel ist es, regionale Entwicklungsprozesse durchzuspielen und in einem geschützten Raum den Umgang mit komplexen Systemen exemplarisch zu üben. Die Spielenden nehmen neue Perspektiven ein und üben sich in praktischer Problemlösung: sie analysieren Probleme, wägen Alternativen ab, entwickeln Strategien etc. Dabei erwerben sie Kenntnisse und Fertigkeiten, mit denen sie sich aktiv an realen Entwicklungsprozessen beteiligen können. 
    • Ein Planspiel kann als Einzelaktion durchgeführt, aber auch in andere Formate eingebettet werden, beispielsweise in einen Tag der offenen Tür oder in eine Zukunftskonferenz. Ein Planspiel vor einer Diskussionsveranstaltung kann dazu dienen, inhaltlich auf diese einzustimmen und Erkenntnisse aus dem Spiel in die Praxis zu befördern. 

    Wie erfolgt die konkrete Umsetzung? 

    Zunächst müssen der Rahmen (Ort und Zeit) und die Zielgruppe (Mitspielende) festgelegt werden. Auch das durchzuspielende Szenario sollte grob skizziert werden. Als Mitspielende kommen alle interessierten Bürgerinnen und Bürger in Frage. Ein Planspiel ist so gestaltet, dass alle für das Spiel wichtigen Informationen adressatengerecht zur Verfügung gestellt werden. Fachkunde ist also nicht gefordert. Auch Jugendliche können an einem Planspiel teilnehmen, hier kann es beispielsweise in der schulischen oder außerschulischen Jugendarbeit zum Einsatz kommen. 

    Zu Beginn des Planspiels erläutert die Spielleitung den Ablauf des Planspiels sowie die Ziele und Aufgaben der jeweiligen Spielabschnitte. Die Spielleitung wird in der Regel aus dem Kreis der Organisatoren bestimmt, kann aber auch durch externe Moderatoren übernommen werden. Daraufhin erhält jedes Gruppenmitglied eine Spielmappe mit den benötigten Arbeitsmaterialien, insbesondere Informationen zur eigenen Rolle. Nach einer Einarbeitungsphase durchläuft die Spielgruppe unter Begleitung der Spielleitung die verschiedenen Stationen des Entwicklungsprozesses. Nach dem Beenden der Spielsituation bietet es sich an, eine Reflexions- und Feedbackrunde durchzuführen. Das Szenario sollte so gewählt werden, dass sich die Spielenden in ihrer gewohnten Lebenswelt bewegen (z. B. Dorfversammlung). Das erleichtert den Zugang zum Spiel und erhöht die Lernerfahrung. Bei der Gestaltung des Szenarios kann es nützlich sein, die realen Akteure vor Ort einzubeziehen. 

    Eine Spielgruppe sollte etwa zehn bis 15 Spielende umfassen. Es besteht die Möglichkeit, dasselbe Planspiel in mehreren Spielgruppen parallel oder nacheinander ablaufen zu lassen. Bei der Auswahl der Räumlichkeiten sollte auf ausreichend Platz geachtet werden. Zur Hervorhebung der einzelnen Phasen des Prozesses können die einzelnen Stationen räumlich getrennt voneinander aufgebaut werden, z. B. durch Tische oder Pinnwände. Für ein Planspiel sollte eine Mindestspielzeit von vier Stunden einkalkuliert werden. Ein Planspiel kann sich aber auch über mehrere Tage erstrecken. Es hat sich als sinnvoll erwiesen, Spielpausen für Austausch und Netzwerken zu nutzen. Es besteht die Möglichkeit, Expertinnen und Experten in das Planspiel einzubinden. Diese können von den Spielenden im Laufe des Spiels konsultiert werden. 

    Für die Umsetzung wird in erster Linie das Planspiel benötigt: ein detailliert ausgearbeitetes Spielszenario mit Spielmaterialien. Hierfür kann auf bestehende Planspiele zurückgegriffen, die Erstellung eines Planspiels in Auftrag gegeben oder ein Planspiel selbst erstellt werden. Für die Begleitung des Planspiels wird eine Spielleitung benötigt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Expertinnen und Experten in das Planspiel einzubinden, sowohl in die Vorbereitung als auch in die tatsächliche Durchführung. Zur Durchführung des Planspiels sind für die Anzahl der Teilnehmenden und für Gruppenarbeit geeignete Räumlichkeiten notwendig. Tische, Stühle, Pinnwände etc. können für die Einrichtung der Stationen genutzt werden. 

    Der Einsatz eines kostenlos verfügbaren Planspiels spart Kosten. Bei der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) können kostenlos die Spielunterlagen des Planspiels „Mobilität in ländlichen Regionen sichern“ angefordert werden. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) führt eine Planspiel-Datenbank, in der auch kostenlos verfügbare Planspiele enthalten sind. Beim Bildungszentrum der Stadtwerke Leipzig kann das Planspiel E-Mobilität angefordert werden. Alternativ kann ein bestehendes Planspiel erworben werben bzw. entgeltlich in Auftrag gegeben werden. Zudem gibt es Dienstleister, die sich auf die Erstellung von maßgeschneiderten Planspielen spezialisiert haben. 

    Da die Teilnahme an einem Planspiel Einsatz und Selbstbewusstsein erfordert, kann sich die Gewinnung von Teilnehmenden als schwierig erweisen. Für die Gewinnung von Teilnehmenden ist es wichtig, Menschen, die das Format nicht kennen und/oder Vorbehalte bezüglich ihrer Eignung haben, Mut zu machen und zur Teilnahme anzuregen. Das Planspiel selbst erfordert eine gute Vorbereitung der Spielleitung und der Expertinnen und Experten. Die Materialien sollten an die Zielgruppe angepasst sein. Außerdem sollte genügend Zeit eingeplant werden, um die Teilnehmenden mit der Methode des Planspiels vertraut zu machen. Zu einem strukturierten Spielablauf gehört auch ein klarer Abschluss des Spiels, an den eine Reflexions- und Feedbackrunde anknüpfen sollte.

    Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS), 2017: DVS-Planspiel. Spielanleitung. Zugriff: https://www.netzwerk-laendlicher-raum.de [abgerufen am 24.03.2020].
    Rappenglück, Stefan, o. J.: Politik handlungsorientiert vermittelt. Die Methode. Zugriff: https://www.bpb.de, Lernen, Formate, Planspiele [abgerufen am 24.04.2021].