Jugendtaxi

Junge Menschen vor dem Taxi.
Quelle: lisegagne / Getty Images

Was ist ein Jugendtaxi? 

Ein Jugendtaxi ist ein Mobilitätsangebot, das speziell für junge Menschen zur Verfügung steht und das bestehende ÖPNV-Angebot zielgerichtet ergänzt. In erster Linie handelt es sich beim Jugendtaxi um eine teilweise oder vollständige Kostenübernahme der Fahrtkosten junger Menschen. Für die Umsetzung bieten sich verschiedene Modelle an. Im Fokus stehen in der Regel Fahrten in den Abend- und Nachtstunden, in denen der ÖPNV nur eingeschränkt verkehrt. Es können beispielsweise Taxigutscheine an die Zielgruppe verteilt oder die Taxirechnung anteilig oder vollständig subventioniert werden. Mit dem Jugendtaxi soll der Zugang zu Mobilität verbessert und die Verkehrssicherheit erhöht werden. Insbesondere Fahrten in den Abend- und Nachtstunden (z. B. der Heimweg von einer Diskothek) stellen in der Zielgruppe einen Unfallschwerpunkt dar. In der Regel werden die Fahrten im Rahmen des regulären Taxibetriebs durchgeführt.

Die gewährten Vergünstigungen können unterschiedlich ausgestaltet sein. Beispielsweise können Fahrten an bestimmten Wochentagen oder zu gewissen Uhrzeiten bezuschusst werden. Dabei werden in der Regel nur Fahrten in einem definierten Gebiet (z. B. dem Landkreis) gefördert. Zur Nutzung des Jugendtaxis sind zumeist nur in der Region gemeldete Personen im Alter zwischen etwa 16 und 25 Jahren berechtigt. 

Was sind die Vorteile des Jugendtaxis? 

Das Jugendtaxi stellt eine zielgruppenspezifische Ergänzung des Mobilitätsangebotes vor Ort dar und steigert so die Attraktivität der Region für junge Menschen. Durch die vermehrte Nutzung des Taxis anstelle des privaten Pkw kann die Zahl der Verkehrsunfälle und deren Folgen verringert werden. Da es sich beim Jugendtaxi primär um eine tarifliche Maßnahme handelt, die mit dem lokalen Taxigewerbe umgesetzt werden kann, müssen keine zusätzlichen Fahrzeuge oder Fahrende durch die Kommune bzw. den Aufgabenträger bereitgestellt werden. Das Jugendtaxi kann daher vergleichsweise schnell eingeführt werden. 

Was ist für eine erfolgreiche Umsetzung zu beachten?

Zunächst sollte das bestehende Mobilitätsangebot vor Ort strukturiert im Rahmen einer Bestands- oder Erreichbarkeitsanalyse erfasst werden. Im nächsten Schritt können durch die Beteiligung der relevanten Zielgruppe Lücken im bestehenden Angebot identifiziert werden. Es sollte vermieden werden, dass Parallelangebote zum öffentlichen Verkehrsangebot geschaffen werden, die miteinander konkurrieren. Anstelle der Einführung eines Jugendtaxis kann beispielsweise auch die Ausweitung der Betriebszeiten eines Anrufsammeltaxis oder eine Haustürbedienung in den Abendstunden geprüft werden. Das Jugendtaxi sollte daher im Rahmen einer übergeordneten Mobilitätsstrategie umgesetzt werden. In die Umsetzung sind in der Regel die Kommune, der Aufgabenträger, das Verkehrsunternehmen und das lokale Taxigewerbe einzubeziehen. Darüber ist die Ansprache lokaler Sponsoren (z. B. Unternehmen), von Bürger- und Jugendvereinen sowie umliegender Kommunen sinnvoll. 

Da es sich um eine teilweise oder vollständige Kostenübernahme der Fahrtkosten handelt, müssen für eine Finanzierung in der Regel Ressourcen aus dem Haushalt der Kommune oder des Landkreises zur Verfügung gestellt werden. Daher ist eine breite politische Unterstützung des Jugendtaxis von hoher Bedeutung.

Bei Zuschussmodellen können die entstehenden Aufwendungen im Vorfeld nur bedingt abgeschätzt werden. Je intensiver das Jugendtaxi genutzt wird, desto höher ist der Finanzierungsbedarf. Entsprechende Modelle sind zudem häufig mit einem hohen administrativen Aufwand verbunden, da ein Abrechnungssystem eingerichtet werden muss, durch das jede Rechnung einzeln erfasst und anteilig subventioniert wird. Wird das Jugendtaxi nicht in das bestehende Mobilitätsangebot integriert, können sich unerwünschte Verlagerungseffekte ergeben, beispielsweise vom Anrufsammeltaxi auf das flexiblere Jugendtaxi.

Energie Waldeck-Frankenberg GmbH, o.A.: Jugendtaxi Waldeck-Frankenberg. Zugriff: https://www.ewf.de/, ÖPNV, Jugendtaxi [abgerufen am 20.05.2020].

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